Trachten-PR zur Wiesn

24 08 2010

Der Münchner Merkur glänzt heute damit, zu zeigen, wie gut sich doch Werbung und Inhalte im Journalismus verknüpfen lassen.

Der TZ und dem Münchner Merkur liegen heute eine Sonderveröffentlichung zum Thema Trachten bei – das „Trachten Journal 2010“. Die Beilage besteht mindestens zur Hälfte aus gekennzeichneten Anzeigen und der journalistische Anteil beschreibt die neusten Modetrends. Bei Modethemen muss man zwangsweise auch Markennamen nennen, aber die billige Aufmachung und der sich ständig wiederholende Inhalt (Qual der Wahl, zurück zu den Wurzeln) sind einfach fern von gutem Journalismus. Kurzum: Da wurde eine Werbebeilage produziert.

2010-08-24 Münchner Merkur Auf Seite 1 des Merkurs prangen ein paar Spieler des FC Bayern in ihren neuen Lederhosen und stoßen „auf den geglückten Saisonstart“ an und auch der Hinweis darauf, dass schon lange nicht mehr so viele echte Bayern im FC Bayern waren, lässt das bayerische Herz höher schlagen. Weiter geht’s dann im Sportteil, wo die weniger bayerischen Bayern-Spieler in Lederhosen gezeigt werden: „Obwohl aus aller Herren Länder – in Tracht macht jeder eine gute Figur.“

Wer jetzt keine Lust hat, sich umgehend mit neuer Tracht fürs Oktoberfest einzukleiden, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Am besten gleich im Trachten Journal nachlesen, was angesagt ist und dann zum beworbenen Händler düsen. Die Wiesn startet am 18. September – viel Zeit ist nicht mehr, wenn man noch ein Schnäppchen machen möchte.

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Volksfest auf der Autobahn: Das Still-Leben Ruhrschnellweg

18 07 2010

Heute fand wieder eines der größeren Events im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr2010 statt. Die A40 – die Schnellstraße mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in Deutschland – wurde gesperrt und von 11 bis 17Uhr für Fußgänger, Radfahrer und Inlineskater freigegeben. Die A40 ist vor allem für die täglich stattfindenden Staus bekannt, weshalb sie auch Ruhrschleichweg genannt wird. Vermutlich kam man deshalb darauf, das Event „Still-Leben“ zu nennen.

2010-07-18_20_willkommen Es bestand die Möglichkeit, mit dem Fahrrad auf der Strecke Richtung Dortmund oder zu Fuß in Richtung Duisburg teilzunehmen. Eigentlich wollte ich mit dem Rad so weit fahren, bis die Hälfte der Öffnungszeit vorbei ist und dann wieder umkehren, aber als ich auf der DerWesten las, dass es schon Fahrradstaus gibt, habe ich mich umentschieden. Also nahm ich meine Kamera und ein wenig Proviant mit und ging zur nächsten Autobahnauffahrt: Kreuz Dortmund-West, Dortmund-Dorstfeld.

Das 2010-07-18_03_graffiti Wohngebiet war voller parkender Autos, die alle zum Still-Leben wollten und die Massen strömten zur Auffahrt, die ich sonst nehme, um in Richtung Bochum oder in Richtung Frankfurt zu fahren. Es schien so, als wäre es das Normalste auf der Welt, auf der Autobahn spazieren zu gehen. An den Schildern turnten Kinder, manche saßen auf der Leitplanke und es wurde mit Straßenkreide gemalt. Auf der linken Spur waren die Biertische aufgebaut. Im Radio hatte ich gehört, wie begehrt die Tische ja seien und dass man sich unbedingt einen reservierten sollte und den aber nur bekommt, wenn man einen interessanten Grund dafür hat. Irgendwie waren fast die Hälfte der Tische unbesetzt. An den Tischen, wo jemand tatsächlich aß und trank, herrschte gemütliche Volksfestatmosphäre.

Besonders gefallen haben mir die musikalischen Aufführungen von Chören und Bands. Mal waren es nur zwei Männer, von denen einer Gitarre spielte und der andere sang. Dann gab es aber auch Vereine, die regelmäßig übten wie zum Beispiel eine Blaskapelle oder ein richtig guter Chor. Es traten noch viele kleinere Künstlergruppen auf, 2010-07-18_11_dorstfeld die sich trotz der Hitze anstrengten.Für Kinder gab es viele Möglichkeiten zu basteln und auch Erwachsene hatten Gelegenheiten zu spielen.

Das Event war eine super Idee. Sicher lebte das Fest davon, dass es auf der Autobahn stattfand, doch selten erlebt man solche Vielfalt und Freude an einem Volksfest. Ich würde jederzeit wiederkommen.

Links:
Still-Leben Ruhrschnellweg
Wikipediaeintrag über die A40
Bildquelle:
eigene Fotos, noch mehr Bilder gibt es in meiner Bildergallerie in der Rubrik Ruhrgebiet



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Mein 4:0 in Essen

4 07 2010

Am Samstag haben mein Freund und ich beschlossen, das Fußballspiel gegen Argentinien am „Seaside Beach Baldeney“ anzusehen. Angekündigt waren die Liveübertragung und Auftritte der Atzen, der Discoboyz und einiger anderer Musiker. Das Wetter hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht – da kann man nichts machen – doch der Nachhall lässt mich schaudern.

Der Nachmittag fing richtig gut an. Es gab viel Auswahl bei den Getränken, Imbissbuden, Sonne, Sand und sogar Duschen zum Abkühlen. Die Stimmung war spitze und vor Beginn des Spiels traten die Atzen auf. Musikalisch gesehen sind die Atzen zwar keine Bereicherung, aber sie machen Spaß! 2010-07-03-atzen Bekannte Songs sind „Disco Pogo“ (YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=F-NkI-W9PMQ) oder auch „Das geht ab“ (YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=gsvvTX0bwPo). Die Menge tobte, hüpfte, sang mit und pünktlich um 16Uhr wurde zur Liveübertragung gewechselt. Das erste Tor in der dritten Minute wurde gebührend mit Bier- und Sandduschen gefeiert.

Doch kurz vor dem Pfiff zur Halbzeit kam ein Teammitglied des Veranstalters auf die Bühne und kündigte an, dass aufgrund einer Unwetterwarnung das Gelände geräumt werden müsse. Pfiffe und Buhen ertönten, obwohl der Regen uns ins Gesicht peitschte, es blitzte und die Blätter flogen. Keine Frage – jeder wäre da geblieben. Anbetracht dessen, dass der Sturm immer stärker wurde und es später in der Stadt Sperrungen gab, weil das Wasser nicht richtig ablief, war es vermutlich die richtige Entscheidung, das Gelände zu räumen. Doch was ist mit den 18€ Eintritt? Und mit den Wertmarken?

Als wir zur Wertmarkenausgabe kamen, um die Marken wieder in Bares umzutauschen, hieß es, dass die Kassen leer seien. Pech gehabt. Als wir uns erkundigten, wie wir nun an unser Geld kämen, sagte man uns, dass wir uns per E-Mail an den Seaside Beach wenden sollten und dann die Rückgabe geklärt würde. Heute steht auf der Website Folgendes:

An alle Sundance-Besucher: Zunächst möchten wir als Seaside darauf hinweisen, dass wir nicht der Veranstalter des Festivals waren, sondern lediglich das Gelände zur Verfügung gestellt haben und für die Gastronomie verantwortlich waren. In Absprache mit der Polizei, der Feuerwehr, des SMAG Magazins und uns als Seaside Beach musste gestern aufgrund des Unwetters das Gelände geräumt werden. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber aus Gründen der Sicherheit konnte nicht anders gehandelt werden. Die Wertmarken können bis Dienstag umgetauscht werden. Eine spätere Erstattung ist ausgeschlossen. Am Mittwoch können die Wertmarken an der Gastronomie eingelöst werden. Auf den Bierpreis erhalten Sie einen Rabatt. Bitte wenden sie sich bzgl. des Eintritts an die SMAG. cash_77479920

Ich soll also mit meinen Wertmarken bis Dienstag nach Essen fahren, um die dämlichen Marken einzutauschen? 10€ kostet mich allein schon die Fahrt, ungeachtet der Tatsache, dass ich vielleicht weder Zeit noch Lust habe dafür aufzukommen, dass kein Bargeld in der Kasse ist, wenn bekannt ist, dass der Laden schließt. Nein, das ist kein Kundenservice, sondern eine Unverschämtheit! Wie unseriös der Seaside Beach mit seinen Besuchern umgeht, sieht man auf ihrer Facebook Page. Die Verantwortlichen löschen Beiträge und machen sich über Kommentare lustig. Gelungene Krisenkommunikation sieht anders aus. Ich gehe davon aus, dass sie rechtlich abgesichert sind, aber selbst wenn die Besucher nun auf ihrem Geld sitzen bleiben, ist das keine Art mit den enttäuschten Kunden umzugehen.

Nächstes Thema wäre dann der Eintrittspreis. 14€ kostete die Karte im Vorverkauf, 18€ an der Tageskasse. Natürlich kann niemand etwas fürs Wetter, aber eine Entschädigung erwarte ich schon, wenn über die Hälfte der Veranstaltung nicht stattfindet. Bisher hat man seitens SMAG noch nichts gehört. Aber ich würde mir wenigstens einen Gutschein über die Hälfte des Eintrittspreises wünschen, der gut und in einem sinnvollen Zeitrahmen eingesetzt werden kann.

Durch das Gewusel haben wir es dann mit dem Auto irgendwie geschafft, uns vom See in Richtung Innenstadt zu bewegen. Als das zweite Tor in der 68. Minute fiel, fuhren wir gerade an einer Eckkneipe vorbei, aus der man den Jubel hörte. Glücklicherweise gab es Parkplätze, da wir noch nicht ganz in der Innenstadt waren. Den Rest des Spiels haben wir dann dort verfolgt. Und hey, das Spiel war super. ;)


Bildquellen

Die Atzen – eigenes Bild
Close up of assorted Euro banknotes and coins – Getty Images
Es gibt so viele schöne Bilder vom Spiel, aber die Lizenz hat leider die FIFA und ich will ja keinen Streit. ;)

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Schachtzeichen – Vorglühen?

28 05 2010

„Schachtzeichen“ ist ein Kunstprojekt im Rahmen von Ruhr2010. Mit gelben Ballons wird auf die Standorte der ehemaligen Bergwerke hingewiesen. Wer durchs Ruhrgebiet fährt, sieht immer wieder die Markierungen in der Landschaft.

Heute Abend sollten – so dachte ich – die Schachtzeichen von 22 bis 1 Uhr erleuchtet sein und auf 80m Höhe schweben. Also habe ich mich auf den Weg gemacht, um die drei Ballons in unmittelbarer Nähe, in Dorstfeld, aufzusuchen. Wie ich nun nach genauem Nachlesen erfahren habe, war heute nur das “Vorglühen”. Die Ballons waren also nicht alle beleuchtet und auch nicht immer auf 80m Höhe.

Zuerst war ich am Autobahnkreuz Dortmund-West und dann im Vogelpothsweg, aber leider war nichts zu sehen. Im Gewerbegebiet Dorstfeld-West wurde ich dann fündig. Auf dem Parkplatz einer Druckerei der Ruhrnachrichten war ein Anhänger, an dem das Schachtzeichen befestigt war. dsc_0020_edit_800x600 Dort traf ich auf zwei Herren, die mir mitteilten, dass der Parkplatz Firmengelände sei und es nichts zu fotografieren gäbe, weil der Ballon noch nicht auf 80m Höhe wäre und überhaupt es erst morgen losginge.

Ein bisschen enttäuscht, dass ich mich nicht richtig informiert hatte, aber zufrieden, weil es ein kleines Abenteuer war alleine mit der Kamera durch die Nacht zu laufen, bin ich nun wieder zu Hause.

Das Bild habe ich von einer Seitenstraße aus geschossen und nicht vom Firmengelände aus.


Update vom 30. 05.:
In meiner Galerie habe ich zwei Fotos von meinem nächtlichen Ausflug hoch geladen.

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Facebook als Herausforderer unserer Medieninkompetenz

17 05 2010

In den letzten Wochen ist mir bewusst geworden, wie schlecht es im Allgemeinen um die Medienkompetenz im Bereich der Social Networks bestellt ist. Erschreckender Weise zieht dieses Phänomen weitere Kreise als ich bisher annahm, da sich nicht nur pubertierende Jugendliche oder Internetneulinge Fehltritte erlauben, sondern auch Leute vom Fach, die aufgrund ihres akademischen Hintergrundes sich eigentlich reifer verhalten sollten.

facebook-logo Das Web 2.0 mit seinem sozialen Netzwerk Facebook ist kein Unbekannter. Viele Teenager und immer mehr Erwachsene, auch über 50, sind registriert und wem es doch noch zu undurchschaubar ist, der hat zumindest schon in der Zeitung davon gelesen. Diskussionen über die Privatsphäre, Gefahren für Arbeitssuchende durch peinliche Partyfotos oder auch Möglichkeiten im Bereich des Marketings sind regelmäßig Teil der Berichterstattung. Auch die Politik hat begriffen, dass das Internet ein ernstzunehmendes Thema ist und bietet für Eltern, Kinder und Pädagogen Informationsmaterial an, welches die sogenannte Medienkompetenz fördern soll.

Doch was ist eigentlich Medienkompetenz? Definition gibt es viele, mir sind im Bezug auf das Thema die folgenden drei Punkte aufgefallen:

1. Die Fähigkeit, die jeweilige „Mediensprache“ verstehen und analysieren zu können, d.h. Medien „lesen“ zu können.
Das klingt banal – eine Sache, die man Schülern erklärt, wenn man ihnen erzählt, dass die Nachrichtenqualität von Bild eine andere sein kann als die der FAZ. Tipp: Der Inhalt auf sozialen Netzwerken wird von Nutzern produziert. „User generated content“ heißt der englische Fachbegriff und macht den Reiz der Angebote aus.

2. Die Produktionsbedingungen von Medien und ihren Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit einschätzen zu können.
Auf Facebook findet man oft Dinge, die im wahren Leben nicht einmal ausgesprochen würden. Es sind die unmittelbaren Gedanken zu einem Thema. 98950388 Es mag die Aufforderung „Was machst du gerade?“ sein oder einfach nur die Tatsache, dass einem niemand gegenübersteht, wenn man seine Gefühle in den Cyberspace posted. Außerdem macht es Spaß mit seinen Mitmenschen online zu kommunizieren. Je mehr man schreibt, umso mehr Antworten erhält man – selbst wenn der Inhalt eigentlich total uninteressant ist. Dass man selbst seine Ergüsse schon ein paar Stunden beim zweiten Mal hinsehen am liebsten wieder löschen würde, hilft leider auch nicht, wenn ein Kollege die Zeilen möglicherweise schon weiter getratscht oder – noch schlimmer – dabei auch noch falsch interpretiert hat. Dies sollte aber nicht nur dem Schreiber, sondern auch dem Leser bewusst sein. Auch wenn es vielleicht besser nicht so wäre: Postings auf Facebook entsprechen eher einem Tagebucheintrag als einer offiziellen Stellungnahme.

3. Medien gestalten und zur Kommunikation einsetzen zu können, als Erweiterung der eigenen Handlungs- und Ausdrucksfähigkeit (aktiver Medienumgang) – so z. B. für die Gestaltung einer eigenen Homepage.
Wer sich bewusst im Internet bewegt und von sich behaupten möchte, dass er nicht wie die Affen im Zoo sein Leben präsentiert, überlegt sich zwei Mal, welche Informationen er wie veröffentlicht. Selbst wenn man gern viel über sich preis gibt, sollte man im Hinterkopf behalten, dass manche Inhalte auf die Leser, selbst wenn man nicht direkt mit ihnen „befreundet“ ist, abschreckend wirken können.

Facebook ist doch noch neuer für uns, als wir meinen. Selbst diejenigen unter uns, die für Bewerbungen schon das ein oder andere Foto gelöscht haben oder grundsätzlich lieber gar nichts posten, sind sicher schon in die eine oder andere Falle getappt. 98844936 Fehlinterpretationen, Falschinformationen oder auch überschwängliche Emotionen  sind Ursachen dafür, dass das virtuelle Leben teilweise erhebliche Einflüsse auf unser „real life“ hat. Wer sich das nicht bewusst macht, unterschätzt die Macht von Facebook. In diesem Bereich ist meiner Meinung nach noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten. Solange immer noch blind alles geposted wird, was durch die Köpfe der User strömt und davon immer noch zu viel auf die Goldwaage gelegt wird, kann in keinem Fall von Medienkompetenz in Sachen Social Web die Rede sein.

Falls sich irgendjemand durch diesen Artikel persönlich angesprochen fühlt, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies nicht beabsichtigt war. Wenn dennoch Aggressionen freigesetzt wurden, bin ich gern zu einem persönlichen Dialog bereit.


Bilder:
Facebook Logo
Young woman whispering. – Getty Images
Two businessmen fighting – Getty Images
Link:
Seite zum Thema Medienkompetenz des Landes Hessen http://www.medienkompetenz-hessen.de/dynasite.cfm?dsmid=9917

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